Presseinformation

27.09.2004

Deutsch-polnisches Schülerprojekt

In den vergangenen Jahren hat man in Brandenburg an der Havel auf unterschiedliche Weise das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte, die Zeit des nationalsozialistischen Terrors, aufgearbeitet. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auch der Erforschung der Zwangsarbeiter-Thematik geschenkt, da angenommen werden kann, dass etwa 35.000 ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene aus ganz Europa in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in der Stadt zum Arbeitseinsatz gezwungen wurden.

 

Im Zuge der Diskussion um die Entschädigungsfrage für ausländische Zwangsarbeiter im Jahre 2001 begann eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Heine-Gesamtschule mit der Erforschung dieses sensiblen Themas aus regionaler Sicht. Diese Arbeit endete nach zwei Jahren zunächst mit einer vielbeachteten Ausstellung im Museum im Frey-Haus. "Während der Recherchen und Forschungen stießen wir auf erschütternde Einzelbeispiele, wobei besonders der Leidensweg der 25-jährigen Polin Bronislava Czubakowska aus der polnischen Ortschaft Zgierz uns zu weiteren Recherchen bewegte." erinnert sich Museumsmitarbeiterin Gudrun Bauer, die das Schülerprojekt damals betreute. "Die junge Polin wurde in der Stadt Brandenburg/Havel zur Zwangsarbeit gezwungen. Nach einer ihr zugeschriebenen Brandstiftung in der Fein-Jute-Garn-Spinnerei wurde sie vom Landgericht Potsdam zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Im Rahmen eines deutsch-polnischen Begegnungsprojektes ist für das Jahr 2005 eine (symbolische) Überführung der Gebeine von Bronislava Czubakowska in ihren Heimatort geplant" so Bauer weiter.

 

Zur gleichen Zeit beschäftigten sich damals auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Städten mit diesem Schicksal. Inzwischen ist daraus ein deutsch-polnisches Schülerprojekt geworden, dass vom Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. und vom EUROPAHAUS LAND BRANDENBURG e.V. unterstützt und gefördert wird. An dem Projekt beteiligen sich junge Menschen aus den Städten Brandenburg an der Havel (als Arbeitsort), Potsdam (als Ort der Verurteilung), Berlin (Ort der Hinrichtung in Plötzensee) und Zgierz (als Ort der Herkunft). Offizielle Vertreter der beteiligten Städte unterstützen und fördern dieses Projekt. Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Brandenburger Landtages, und Martina Michels, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, sind die Schirmherren des Projektes.

 

In der Zeit vom 26.09. bis 01.10.2004 findet in Kolberg (bei Storkow) ein deutsch-polnisches Schülertreffen statt, an dem Schülerinnen und Schüler der oben genannten Schulorte teilnehmen. Die Stadt Brandenburg an der Havel wird vertreten durch Jugendliche des von Saldern-Gymnasiums sowie ehemalige Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Gesamtschule. Die Museen und Gedenkstätten der Stadt Brandenburg an der Havel betreuen und unterstützen die Arbeit der Brandenburger Schülerinnen und Schüler. Der Delegation der Stadt Zgierz gehören auch Vertreter der IPN-Lodz an.

 

Im Rahmen des deutsch-polnischen Schülertreffens sind unter anderem  folgende Exkursionen geplant:

 

27.09.04: Besuch des Landgerichtes Potsdam (09:30 Uhr),

28.09.04: Besuch der JVA Berlin-Moabit (09:00 Uhr) und der Gedenkstätte Plötzensee (15:00 Uhr),

30.09.04: Besuch der JVA Brandenburg-Görden (10:00 Uhr), Besichtigung des von Saldern-Gymnasiums (11:30 Uhr) und des Geländes der ehemaligen ersten Deutschen Fein-Jute-Garnspinnerei in der Bauhofstraße (14:30 Uhr) mit Begrüßung durch die stellv. Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Anke Nitsch.